12Ich, der Lehrer,5 war König über Israel und regierte in Jerusalem.
13Ich nahm mir vor, alle Dinge zu ergründen und zu begreifen. Ich wollte herausfinden, was für einen Sinn alles hat, was in der Welt geschieht. Doch was ist das für eine fruchtlose Beschäftigung! Gott hat sie den Menschen gegeben, damit sie sich mit ihr plagen.
14Ich beobachtete alles, was Menschen auf der Erde tun, und ich fand: Alles ist vergeblich. Es ist, als jagtest du dem Wind nach.
15Krummes kann nicht gerade werden; was nicht da ist, kannst du nicht zählen.
16Ich sagte zu mir selbst: »Ich weiß mehr als alle, die vor mir über Jerusalem geherrscht haben. Ich habe eine Fülle von Weisheit und Erkenntnis gesammelt.«
17Doch als ich darüber nachdachte, was das alles wert ist und was der Weise den uneinsichtigen Schwachköpfen voraushat, erkannte ich: Auch die Bemühung um Weisheit und Erkenntnis ist Jagd nach Wind.
18Wer viel weiß, hat viel Ärger. Je mehr Erfahrung, desto mehr Enttäuschung.
1 Hebräisch kohelet. Das Wort kohelet ist von dem Wortstamm für »versammeln« abgeleitet und bezeichnet einen Menschen, der bestimmte Gemeindeversammlungen und philosophische Kreise oder Schulen leitet und in ihnen zu reden und zu lehren hat (vgl. 12,9).
2 Vers 1 ist eine später hinzugefügte Überschrift und rückt das Buch in die Nähe des Vaters aller Weisen Israels, Salomo (vgl. 1Kön 5,9-14).
3 In zweimal zweifacher Steigerung und danach noch einmal Verwendung eines und desselben Wortes mit der Bedeutung »vergänglicher Hauch/Windhauch/Nichtigkeit«.
4 Der Mensch nimmt überall Veränderungen wahr (Verse 4-8); aber im Grunde ist es ein beständiger Kreislauf, der nichts Neues bringt. Das Beständige ist Gottes Sache, und das scheinbar Neue sollte der Mensch nicht zu ernst nehmen (Verse 9-10).